Grundlagen des langfristigen Erfolges

Die Auseinandersetzung mit Geschichte zeigte mir, dass die langfristig stabile Systeme alle auf denselben Grundlagen beruhen. Diese mögen je nach Situation mehr oder weniger ausgeprägt gewesen sein, aber die meisten von ihnen waren in jedem stabilen System vorhanden. Häufig waren diese Systeme Aristokratien. Deswegen plädiere ich wie die antiken Philosophen dafür, dass man Elemente der Aristokratie und der Demokratie in einer Staatsform vereinigt.

Heute scheint es als wären die Aristokratien alle gescheitert und die Idee der Aristokratie überholt. Welch ein Trugschluss! Wie lange haben denn die Aristokratien jeweils bestanden, bevor sie „scheiterten“? Jahrhunderte, Jahrtausende! Wenn ein System so lang bestanden hat, bevor es untergeht, war es in hohem Grade erfolgreich.

Auch heute noch gibt es viele adlige Familien, die ihre Traditionen auf fruchtbare Weise mit dem Fortschritt verbinden und gesellschaftlich stabilisierend wirken. Damit sind nicht die gemeint, die dauernd in Klatschmedien erscheinen, im Gegenteil. Viele dieser Aristokraten arbeiten nicht spektakulär, aber dafür umso intensiver.

Wie bringen es einige Familien, Unternehmen und Organisationen fertig jahrhundertelang zu existieren, während andere nach nach wenigen Generationen, bzw. nach kurzer Zeit, scheitern? Warum sind bestimmte Persönlichkeiten nach tausend Jahren noch ein positiver Begriff und andere werden schon kurz nach ihrem Tod vergessen?

 

 

Langfristige Systeme beruhten auf Grundsätzen. Die wichtigsten sind langfristiges Denken, Vorbildfunktion der Elite, die Kombination von Tradition und Fortschritt, Sicherheit vor Expansion sowie ein höheres Ziel, das über das Geldverdienen hinausreicht.

 

 

In vielen Ländern, in denen die Aristokratie abgeschafft wurde, entstanden Perversionen davon, z.B. Tyranneien, Mafia-Herrschaft, Sekten, Terrororganisationen u.s.w. Diese Organisationen haben Grundsätze, wenn diese auch in vielen Fällen destruktiv sind, und die Mitglieder handeln danach. Das ist ihr Vorteil.

 

 

Die westliche Gesellschaft stellt den negativen Organisationen gegenwärtig keine ebenso starke konstruktive Geisteshaltung  entgegen. Das wäre aber die Voraussetzung, um mit den  Bedrohungen fertig zu werden.

 

 

Es gab auch in den Aristokratien tyrannische Herrscher. Diese wurden aber durch Familie, Erziehung, Tradition und nicht zuletzt durch geistige Grundsätze, allenfalls auch durch Religion, daran gehindert, ihren Charakter so grenzenlos auszuleben, wie viele demokratisch gewählten oder kommunistischen Diktatoren im zwanzigsten Jahrhundert. Wenn nicht die Besten an der Macht waren, wurden sie gezwungen sich an bestimmte Regeln zu halten oder sie wurden gestürzt, manchmal sogar von der eigenen Familie.

 

 

Man muss ganz klar zwischen Aristokratie und Tyrannei unterscheiden. Eine Aristokratie die zur Tyrannei wird, ist keine mehr.

 

 

Aristokratische Politiker dachten langfristig, nämlich in Bezug auf mehrere Generationen. Zumindest mussten sie ja ihre Dynastie sichern. Das wurde von ihnen erwartet, auch von der Bevölkerung, die sie regierten. Dynastie stand für Stabilität. Die heutigen Politiker der repräsentativen Demokratien denken vier Jahre, bis zum Ende einer Wahlperiode. Wie sich ihre Regierungshandlungen langfristig auswirken, ist vielen von ihnen gleichgültig.

Wozu brauch' ich jahrhundertelangen Erfolg? Das fragen sich heute viele und denken: „Ich werde ja höchstens hundert Jahre alt, und was nachher kommt ist mir egal. Hingegen muss ich sehen, dass ich im nächsten Vierteljahr ein einigermassen befriedigendes Geschäftsergebnis vorweise.“

Wer diesem Quaterly-Earnings-Denken unterliegt, muss sich nicht wundern, wenn er überhaupt keinen Erfolg hat. Oder anders formuliert: Wer keine langfristigen Ziele setzt, wird auch keine kurzfristigen erreichen. Dieses kurzfristige Denken ist im Grunde total egozentrisch. Leider ist es nicht nur bei Einzelpersonen, sondern heute auch in Gesellschafts- und Interessengruppen, Unternehmen und ganzen Generationen verbreitet.

 

Höhere Ziele

Aristokratische Systeme erstarrten oder zerfielen meistens dann, wenn die Mehrzahl der Führungspersönlichkeiten nicht mehr bereit waren, sich mit dem Fortschritt auseinanderzusetzen oder sich höheren Zielen zu unterstellen. Dazu gehörte, dass die Privilegien der Führungsschicht immer mehr auf Äusserlichkeiten und Egoismus statt auf aristokratischem Verhalten beruhten. In den letzten zweihundert Jahren sind viele Aristokratien auf diese Art zerfallen. Das führte dazu, dass in Europa die aristokratischen Werte und Traditionen immer mehr an Bedeutung verloren oder abgelehnt wurden.

 

 

Das griechische Wort Aristokratie bedeutet "Herrschaft der Besten“. Die Besten sind Personen, die sich durch besondere Leistungen in Wirtschaft, Kultur oder Gesellschaft ausgezeichnet haben. Diese Führungskräfte unterstellen sich höheren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Zielen, die über ihre individuellen Interessen hinausreichen.

 

 

In den heutigen repräsentativen Demokratien haben viele Politiker keine anderen Ziele als möglichst viel Geld zusammenzuraffen – auch durch Lobbyarbeit - und nach vier Jahren wieder gewählt zu werden. Das zeigt schon die Unverschämtheit, mit der in einigen Parlamenten als erste Amtshandlung eine Erhöhung der Bezüge beschlossen wird.

Vor den Wahlen ist vielen keine Lüge zu dreist, um das Volk zu täuschen. Man geht sogar soweit, die Standpunkte der Opposition zu übernehmen, die man vorher verurteilt hat. In Wirklichkeit hat man natürlich nicht die Absicht, nach den Wahlen etwas zu ändern.

 

 

Fazit

Die repräsentative Demokratie vereinigt die negativen Aspekte der Aristokratie und der Demokratie, vor allem wenig Einfluss der Bevölkerung mit kurzfristigem Denken der Politiker. Man benötigt also ein System, das die Vorteile der Aristokratie und der Demokratie kombiniert. Das Ideal wäre also eine langfristig bestehende Aristokratie oder Monarchie mit höheren Zielen, in der verbindliche Volksentscheide über wichtige Fragen getroffen und umgesetzt werden.

 

 

Titelbild

"Freie Gedanken", gemalt und fotografiert von Regula Heinzelmann

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© Regula Heinzelmann