Plädoyer für traditionelle journalistische Grundsätze

Text von Regula Heinzelmann

 

Trotz der vielgepriesenen demokratischen (Meinungs-)freiheit oder gerade deswegen ist heute die öffentliche Meinung auf gewissen Gebieten so mächtig, dass es fast unmöglich ist, sich ihr entgegenzustellen. Natürlich gab es auch früher beherrschende öffentliche Meinungen, das wäre also nichts Neues. Es gibt heute auch weniger gesellschaftliche Regeln und Vorschriften als früher. In Bezug auf Formalitäten des Privatlebens mögen wir freier sein als früher, wobei diese Freiheit häufig nichts als Unkultiviertheit ist. Aber sind wir innerlich freier als die Menschen früherer Zeiten? Es ist wohl überheblich, wenn wir uns das einbilden.

 

Die Medienleute fühlen sich als Vertreter der öffentlichen Meinung, aber es ist in vielen Fällen umgekehrt. Sie beeinflussen die Konsumenten. Dabei kann man davon ausgehen, dass ein grosser Teil dessen, was die Medien verbreiten, falsch, übertrieben oder zumindest verzerrt dargestellt wird. Das ist keineswegs ein Internet-Phänomen. Seit über dreissig Jahren bin ich Autorin. Schon in den 80er Jahren habe ich folgende Erfahrung gemacht: Wenn ich über ein Thema genauer recherchierte, stimmten die Resultate oft nicht mit den Mainstream-Berichten überein. Dies ist nicht immer die Folge von Unsorgfalt oder gar Absicht der Journalisten. Häufig drängt die Zeit derart, dass intensive Recherchen praktisch kaum möglich sind. Dazu werden sie immer schlechter bezahlt, vor allem bei freien Autoren im Tagesjournalismus.

 

Neu ist aber, dass viele Medien gezielt für politische Propaganda missbraucht werden. Zwar gab es auch das schon früher, aber nicht in dem Ausmass. Sogar in Medien, die früher seriös und objektiv berichteten, verlieren einige Journalisten den Anstand, wenn es um politische Gegner geht. In Deutschland wird die Regierung unterstützt, früher war es so, dass man diese kritisierte.

 

Besonders schlimm ist es, wenn man Menschen mit anderen politischen Ansichten schlecht macht. Das Ziel ist häufig, politische Organisationen oder Parteien auszuschalten, um die Macht der Etablierten - von denen man profitiert! - zu erhalten.

 

Dies kann dazu führen, dass Leute ihre Arbeit verlieren oder Politiker zum Rücktritt gezwungen werden oder freiwillig zurücktreten. Häufig werden keine sachlichen Gründe genannt, die mit der Stellung zusammenhängen, sondern Episoden aus dem Privatleben oder aus der Vergangenheit. Selten hat jemand Nerven genug, um solchen Hetzkampagnen standzuhalten. Dies hat auf Dauer eine negative Wirkung auf das Gesellschaftsleben. Es hält viele qualifizierte Leute davon ab, sich um exponierte Stellungen zu bewerben.

 

Das Wort „Lügenpresse“ ist für viele dieser Medien zu harmlos.

Verleumdungsmedien nenne ich das.

 

Die Straftatbestände "Beleidiung", "üble Nachrede" oder "Verleumdung" werden heute oft erfüllt und das hat mit seriöser Berichterstattung nichts mehr zu tun. Übrigens gilt das auch für Satire.

 

Siehe auch:

http://www.europa-konzept.eu/texte-von-regula-heinzelmann/demokratiezerfall/von-der-demokratie-zur-tyrannei/

 

 

Journalistische Grundsätze

 

Zugestanden, es gibt auch heute noch qualifizierte und gut recherchierte Texte und Fernsehsendungen. Die betreffenden Medienleute wenden die tratitionellen journalistischen Grundsätze an, die man unbedingt wieder in allen Medien beachten muss.

 

Recherchieren soll man immer an der Quelle und nicht in anderen Medien. Wenn das nicht möglich ist, muss man mehrere Quellen für die Recherche berücksichtigen, am besten offizielle. 

Es ist nicht immer möglich, vor Ort nachzuprüfen, ob Auskunftspersonen die Wahrheit sagen. Dann baut man ihre Aussagen am besten als Zitate ein.

Auch in einem kritischen Artikel ist eine sachliche und höfliche Sprache notwendig.

Wenn man negative Nachrichten verbreitet, muss man der betreffenden Person oder dem Unternehmen die Möglichkeit zu einer Stellungnahme anbieten.

Ein Interview lässt man vom Interviewten gegenlesen.

Medienvertreter, die über unrechtmässiges Verhalten einer Person recherchieren, sollten die Information der Polizei liefern. Die negative Story sollte man erst dann publizieren, wenn der Betreffende rechtmässig verurteilt wird.

Wenn es über eine Sache mehrere Ansichten gibt, sollte man immer mindestens eine Meinung und die Gegenposition zitieren.

Die eigene Meinung der Journalisten gehört in einen Kastentext und dieser ist als Kommentar zu bezeichnen.

Sachliche Auseinandersetzung mit anderen Meinungen wirkt beim Publikum mehr als Beleidigungen oder Verleumdung. Mangelnder Respekt vor anderen Meinungen zeigt, dass  die Argumente fehlen.

 

Lesenswert ist die folgende Selbstkritik aus Medienkreisen.

http://meedia.de/2017/10/02/wie-gelegen-kommt-den-politischen-akteuren-der-schleichende-niedergang-der-deutschen-presse/?utm_campaign=NEWSLETTER_SONDER&utm_source=newsletter&utm_medium=email

 

 

 

Titelbild

"Freie Gedanken",. gemalt und fotografiert von Regula Heinzelmann

"Geben Sie Gedankenfreiheit", Friedrich Schiller, Don Carlos

 

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© Regula Heinzelmann