Text von Regula Heinzelmann
2. Juni 2026
Nach der heute gängigen Definition steht die Abkürzung SMR für Small Modular Reactor, also kleine modulare Reaktoren. „Klein“ bezieht sich in diesem Zusammenhang üblicherweise auf eine elektrische Leistung von bis zu 300 Megawatt (MWe). Reaktoren mit einer Leistung von ca. 1 bis 10 MWe werden dabei auch als Mikroreaktoren (Micro Modular Reactors, MMR) bezeichnet.
Die wesentlichen Komponenten eines Primärkreises – also insbesondere der Reaktordruckbehälter und der daran anschliessende Kühlkreislauf – sind alle in einem einzigen Modul enthalten. Dahinter steckt neben der Transportfähigkeit die Idee, mit einem solchen Modul die wesentlichen Teile eines Kraftwerks in einer Fabrik vorzufertigen und die Arbeiten auf der Baustelle so zu minimieren. Einzelne Module mit geringer Leistung sollen dann bei Bedarf zu einem grösseren Kraftwerk zusammengeschlossen werden können.
Kostengünstige Energie
Laut dem International Journal of Nuclear Power Sonderausgabe März 2026 gibt es unter anderem folgende Varianten von kleineren nuklearen Reaktoren:
Druckwasserreaktor LDR-50: Mit dem miniaturisierten Druckwasserreaktor LDR-50 (Low Dosis Reactor mit 50 MWth) hat das finnische Unternehmen Steady Energy den weltweit am wenigsten komplexen nuklearen Heizkessel für die Fern-und Prozesswärmebereitstellung entwickelt. Das Unternehmen ist ein Spin-off des Technischen Forschungszentrum Finnland (VTT). Ziel der finnischen Entwicklung ist es, fossile Brennstoffe in urbanen Fernwärmenetzen zu ersetzen.
Druckwasserreaktor AP300: Beim Druckwasserreaktor DWR handelt es sich um eines der am stärksten ausgereiften Reaktorkonzepte für die Stromerzeugung weltweit. Auf Basis umfangreicher Betriebserfahrungen erfolgten immer wieder Weiterentwicklungen, die einerseits der Verbesserung der Sicherheit und andererseits der Senkung der Herstellkosten dienten. So entstanden mehrere DWR-Typen der neuesten Generation, die der Stromversorgung dienen.
DWR mit Dampfkompressoren: Für Endtemperaturen oberhalb von 300 °C sind innovative Sonderlösungen erforderlich. Dies führt zum Konzept einer Temperaturerhöhung des Dampfes durch eine adiabate Kompression.
Hochtemperaturreaktor HTR-P: Auf Basis der deutschen Entwicklung des AVR in Jülich und des THTR-300 in Hamm wurde in China der HTR-10 Prototyp konzipiert. Nach erfolgreichen Tests erfolgte die Konstruktion, der Bau und die erfolgreiche Inbetriebnahme des HTR-PM, der mit zwei 250 MWth Reaktormodulen Frischdampf erzeugt und in eine Dampfsammelschiene einspeist. Von dort wird der Dampf über eine gemeinsame Turbine entspannt und dadurch 219 MWel Strom erzeugt der wiederum kommerziell ins Netz eingespeist wird. Da auch das bislang erfolgreich verlief, plant man, sechs dieser modularen kleinen nuklearen Dampferzeuger über eine noch grössere gemeinsame Dampfschiene zu bündeln, um kommerziell 600 MWel Strom zu erzeugen.
Sicherheitsaspekte: Die Statistik für Unfälle mit Todesfolge weist aus, dass die Kernkraft auch unter Berücksichtigung der Unfälle in Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima sicherer als die Windenergie und fast so sicher wie die Photovoltaik ist. Die Statistik zeigt deutlich, dass die Energiearten Photovoltaik, Kernkraft und Windenergie mit Abstand die geringsten Risiken beinhalten.
Das Magazin kann man auf folgender Webseite herunterladen:
Firmen mit SMR-Projekten
Die internationale Energiefirma AFRY entwickelt ebenfalls SMR in verschiedenen Ländern.
AFRY unterstützte ausserdem die Erstellung von Berichten über das Kernkraftwerk Leibstadt, in denen die Sicherheit von Systemen und Komponenten dargestellt und bewertet wurde. Leibstadt ist das jüngste und leistungsstärkste Kernkraftwerk der Schweiz.
Bei Siemens findet man folgende Informationen über Small Modular Reactors (SMR): Es handelt es sich um kleinere Atomkraftwerke, oft auch Mini-AKW genannt. Sie können in einer Fabrik vorgefertigt und montiert und dann gebrauchsfertig zum Standort transportiert werden. Das reduziert Bauzeit und Komplexität und damit auch die Kosten erheblich.
Sie sind kleiner und benötigen weniger Platz als herkömmliche Kernkraftwerke.
Die Stromproduktion kann flexibel an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden.
Die Sicherheitssysteme und -standards sind identisch wie bei normalen AKW.
Ein SMR funktioniert ähnlich wie traditionelle Kernreaktoren, aber in kleinerem Massstab. Der Kern enthält einen Kernbrennstoff, typischerweise Uran, das durch Kernspaltung eine erhebliche Menge Wärme freisetzt. Diese Wärme wandelt Wasser in Dampf um, der dann eine Turbine antreibt, die wiederum einen Generator antreibt und so Strom erzeugt. Die Technik ist also identisch wie bei einem normalen Kernkraftwerk.
Ein SMR benötigt etwa 10.000 Quadratmeter Fläche, weniger als zwei Fussballplätze. In Zum Vergleich: Ein herkömmliches Kernkraftwerk benötigt etwa 1 bis 2 Quadratkilometer Fläche, das sind ungefähr 140 bis 280 Fussballplätze.
Die meisten SMR-Konzepte sind darauf ausgelegt, 200 bis 300 MW Energie zu erzeugen. Es gibt jedoch auch Pläne für grössere SMRs im Bereich von 400 bis 500 MW – solche Varianten plant Rolls-Royce SMR, die mit Siemens Energy jetzt eine Exklusivitätsvereinbarung getroffen haben. Ein herkömmliches Kernkraftwerk hat eine Leistung von etwa 1 Gigawatt (GW), also etwa die doppelte bis fünffache Menge.
SMRs produzieren Atommüll. Der Vergleich mit normalen Reaktoren ist heute noch nicht möglich – dafür müssten erst mehrere dieser Reaktoren gebaut und betrieben werden.
China und Russland haben SMRs in Betrieb genommen, in Argentinien wird ein SMR gebaut. Die Europäische Industrieallianz für SMRs plant, die Entwicklung, Demonstration und den Einsatz von SMRs in Europa bis Anfang der 2030er Jahre zu erleichtern und zu beschleunigen. Rolls Royce und Siemens Energy wollen zu den ersten gehören, die ein SMR in Betrieb nehmen.
Das deutsch-kanadische Kerntechnik-Startup Dual Fluid entwickelte einen kleinen schnellen Reaktor mit flüssigem Brennstoff und separater Kühlschleife mit flüssigem Blei.
Transmutex in Genf entwickelt einen neuen Typ von Kernreaktor, der kostengünstig kohlenstoffarmen Strom liefern soll.
Auch die EU befasst sich mit SMR:
Weitere Informationen im folgenden Text der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS).
https://www.grs.de/de/aktuelles/projekte/sicherheitsbewertung-von-passiven-systemen-bei-smr-und-mmr
Gelände ehemaliger Kernkraftwerke nutzen
Die Deutsche Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND finanziert bahnbrechende Technologien und Themen. SPRIND und das Schweizer Unternehmen Transmutex veröffentlichten eine Umsetzungsstudie über eine beschleunigergetriebene Neutronenquelle, die auf dem Gelände eines ehemaligen Kernkraftwerks entstehen kann.
Bereits die erste Demonstrationsanlage (Investitionskosten bei sofortiger Errichtung von ca. 1,5 Mrd. EUR, jährliche Betriebskosten von gut 115 Mio. EUR) wäre mit den erwirtschafteten Erlösen aus medizinischen Radioisotopen, Rohstoffen für industrielle Zwecke, der Entsorgung atomarer Abfälle und Prozesswärme rentabel (Baukostenreduktion um ca. 30 Prozent bei Nachnutzung ehemaliger AKW-Standorte). Der Nettobarwert beläuft sich je nach Szenario zwischen einer und sieben Milliarden Euro. Da die Recyclingeinheit der Anlage bis zu vier Neutronenquellen versorgen kann, wären bei weiteren Einrichtungen signifikante Einsparungen zu erwarten.
Das Anlagendesign entspricht generell den deutschen sowie internationalen Sicherheitsanforderungen und Regelwerken.
https://www.sprind.org/worte/magazin/sprind-und-transmutex
Abfallrecycling
Die sogenannten „Abfälle“ lassen sich als wertvolle Rohstoffe wiederverwerten, was uns unabhängiger von importierten Energieträgern macht.
https://nuklearia.de/2020/06/20/koennen-auch-alte-kernkraftwerke-atommuell-recyceln/