Text von Regula Heinzelmann
27. Juli 2026
Dies ist ein offener Brief an die Geschäftsleitung der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG).
Er begründet, weshalb ich vorläufig die Gebührenzahlung für das Schweizer Radio und Fernsehen einstelle.
In Art. 4 des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) werden an die Sendungen unter anderem folgende Anforderungen gestellt:
„Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Ansichten und Kommentare müssen als solche erkennbar sein.“
„Konzessionierte Programme müssen in der Gesamtheit ihrer redaktionellen Sendungen die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten angemessen zum Ausdruck bringen. Das Vielfaltsgebot (Art. 4 Abs. 4 RTVG) gilt ausschliesslich für Wahl- und Abstimmungsdossiers (Art. 5 a RTVG).“
An folgenden Beispielen zeige ich, dass diese gesetzliche Forderung oft mangelhaft erfüllt wird. Natürlich bin ich keineswegs die einzige SRF-Kundin, die sich über diese Missstände ärgert, aber sicher wagen es nicht viele, deswegen die Beitragszahlung zu verweigern. Aber ich hoffe, dass später andere Leute meinem Beispiel folgen.
Da ich den Volksentscheid vom 8. März 2026 über die Halbierungsinitative respektiere, werde ich bezahlen, wenn Sie folgende Forderungen erfüllen, die man aufgrund der Abstimmung stellen muss:
Gleiche Berücksichtigung der Befürworter und Gegner einer Vorlage vor Abstimmungen
Objektive Berichte über politische Ereignisse ohne Diffamierungen
Recherchen an den Originalquellen
Wenn es um wissenschaftliche Themen geht, Berücksichtigung verschiedener Meinungen und zwar ohne Vorurteile gegen Forscher, die von der Mehrheitsmeinung abweichen
Kommentare sind als solche zu kennzeichnen, was ja auch das RTVG ausdrücklich fordert
Keine einseitige Propaganda für medizinische Behandlungen oder Impfungen, sondern auch Informationen über mögliche Schäden
https://www.europa-konzept.eu/geben-sie-gedankenfreiheit-schiller/journalistische-grundsätze/
Die folgenden Zitate vom SRF sind kursiv gedruckt.
Propaganda in eigener Sache
Am 8. März 2026 lehnte das Volk die Halbierungsinitative, also eine Gebührenreduktion für das Schweizer Radio- und Fernsehen mit 61.9 Prozent Nein-Stimmen ab. Vorher haben Sie kräftig Propaganda gegen die Initiative gemacht, indem Sie hauptsächlich Gegner zu Wort kommen liessen. Das ergibt sich aus der Liste der Sendungen, die man unter dem Stichwort „Halbierungsinitiative“ findet.
https://www.srf.ch/suche?q=halbierungsinitiative&date=all&page=0
Man interviewte zwar Jonas Lüthy, Präsident der Jungfreisinnigen und Mitglied des Initiativkomitees. Er meinte, es gäbe mehr politische Sendungen und weniger Unterhaltung, auch die Eigenproduktionen könnten reduziert werden, so die Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder.
Die SRG selbst verweist darauf, dass sie mit einem halb so grossen Budget massiv zentralisieren müsste. Aktuelle Hauptstandorte und Regionalstudios würden geschlossen. Wo man sonst sparen könnte, darüber fällt in dem Artikel kein Wort.
Damit haben Sie gegen Art. 4 Abs. 4 RTVG (siehe oben) verstossen und bei einem zwangsfinanzierten Medium ist Propaganda in eigener Sache nicht zu akzeptieren.
Dieser Tag ist ein Vertrauensbeweis, meinte Susanne Wille am 8. März 2026 nach der Abstimmung.
Initiative keine 10-Millionen-Schweiz - Propaganda dagegen
Aber schon bei der nächsten Abstimmung missbraucht man das Vertrauen des Volkes.
Auch da findet man unter der Suchfunktion über die 10 Millionen Initiative vor allem Beiträge gegen die Initiative und die Titel sind entsprechend.
Besonders einseitig - im folgenden Text wird kein einziger Befürworter zitiert:
Immerhin ein Interview mit SVP-Präsident Dettling ist dabei.
Muss ich Ihnen wirklich erklären, wie man objektive Artikel über Abstimmungen oder andere kontroverse Themen schreibt, bzw. Filme produziert?
Man sammelt die Standpunkte der Gegner UND Befürworter, allenfalls auch Meinungen die weder Zustimmung noch Ablehnung bedeuten und zitiert diese korrekt. Und man reserviert für alle Parteien ungefähr gleich viel Platz bzw. Zeit in einem Film.
Im folgenden Beitrag haben Sie diese Anforderungen wenigstens einigermassen erfüllt, allerdings kamen die JA Argumente schlechter weg als die Nein-Argumente. Neutral ist also auch das nicht.
Peinlichkeiten über ausländische Politik
Gehen wir zu anderen Themen über. Auch die ausländische Politik behandelt man bei SRF einseitig und negativ gegenüber Leuten, Parteien und Organisationen, die Ihren Redaktoren nicht passen.
Die UBI, eine ausserparlamentarische Kommission des Bundes, die von der Rechtsanwältin und Kommunikationsberaterin Mascha Santschi Kallay präsidiert wird, beurteilte folgenden Fall:
Am 29. November 2025 strahlte SRF in der Hauptausgabe der Nachrichtensendung «Tagesschau» einen Beitrag zur Neugründung der AfD-Jugendorganisation in Giessen (DE) aus. Ein Popularbeschwerdeführer rügte, dass die AfD darin einseitig negativ dargestellt, die neu gegründete Jugendorganisation als gesichert rechtsextrem eingestuft und die nachweislich gewaltvollen Proteste aus dem linken bis linksextremen Lager als «bunt und friedlich» beschrieben würden. Auch an der abschliessenden Einschätzung der Deutschland-Korrespondentin störte er sich, wonach hier eine «wehrhafte Demokratie» Präsenz zeige. Die UBI hiess die Popularbeschwerde knapp gut (5:4 Stimmen). Sie kritisierte insbesondere, dass die Anmoderation, der Filmbericht und die Einschätzung der Korrespondentin durchgehend einseitig zu Lasten der AfD informierten, was die freie Meinungsbildung des Publikums verunmöglichte.
https://www.admin.ch/de/newnsb/IyI3IGCIx6oh
Und nochmal AfD. Beitrag 10 vor 10 am 2.6.2026
Ihre Redaktion ist offensichtlich nicht fähig, diese Partei sachlich zu beurteilen. Was soll der negative Ausdruck “Wählerfang” schon im Titel? Jede Partei will möglichst viele Wähler.
Die AfD verlangt übrigens im ersten Punkt ihres Grundsatzprogramms Demokratie mit Volksentscheiden nach Schweizer Vorbild. Man könnte es den AfDlern nicht übelnehmen, wenn sie in der geplanten Neufassung des Grundsatzprogramms diese Formulierung streichen würden, denn ein Vorbild ist die Schweiz leider nicht mehr und dazu tragen auch Medien wie das SRF bei.
Im obengenannten Beitrag steht Folgendes:
Dass die Asylzahlen in Deutschland markant gesunken sind und der Partei damit eigentlich ein zentrales Wahlkampfthema wegbricht, schmälert die Wählergunst nicht.
Zugestanden, die Asylzahlen sind zurückgegangen, aber immer noch hoch. Insgesamt wurden im bis Mai 2026 106.565 Asylanträge entschieden. Das ist eine mittlere Stadt und viele Gemeinden in Deutschland sind schon überbelastet mit Asylunterkünften.
Quelle: Bericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.
Präsent sein, auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören und sie ernst nehmen. Empathie zeigen. Das macht die AfD derzeit so gut wie keine andere Partei. Sie kanalisiert Unsicherheiten und Ängste, mobilisiert Emotionen und vor allem Ressentiments.
Es hat nichts mit Ressentiments zu tun, dass in Deutschland dauernd Messerstechereien und andere Verbrechen von Ausländern oder eingebürgerten Deutschen vorkommen, diese mit Kuscheljustiz beurteilt werden und das Volk sich mit Recht darüber empört. Der neue Terroranschlag am Samstag den 25. Juli in Berlin beweist das. Die AfD ist die einzige grosse Partei, in der das Staatsversagen beim Namen genannt wird, die Politiker der anderen Parteien reagieren wie immer mit Phrasen und Beschwichtigungen.
So wie auch in SRF-Interview vom 27. Juli 2026 mit Hans-Jakob Schindler, Terrorismus-Experte bei der internationalen NGO Counter Extremism Project.
Eine physische Überwachung einzelner Personen ist extrem personen- und zeitaufwendig. Das geht nicht bei einem Gefährderpotenzial von mehreren hundert Personen im Islamismusbereich, plus den Rechtsextremisten, plus mehreren hundert Linksextremisten, plus den Verschwörungstheoretikern. Deshalb müssen die Behörden immer wieder sehr risikobehaftete Einschätzungen treffen zu all den Individuen, die möglicherweise Gewalt ausüben werden.
Verschwörungtheoretiker werden in Deutschland oft Oppositionelle genannt, z.B. Impfgegner, die friedlich protestieren. Der Vergleich relativiert die Taten der Islamisten massiv und beleidigt grosse Bevölkerungsgruppen.
Weiteres Zitat aus dem Interview mit Hans-Jakob Schindler:
Was halten Sie von Forderungen wie jenen, man sollte Gefährder konsequenter ausschaffen oder sie ins Gefängnis stecken?
Der Täter von Berlin war seit Geburt Deutscher, seine Mutter war eingebürgert worden. Deutsche Staatsbürger kann man aber nicht ausweisen. Das zweite Problem ist, dass selbst wenn man Gefährder ausweisen wollen würde, bräuchte es einen Staat, der bereit ist, die Person aufzunehmen. Deshalb: Wir müssen diese Leute besser kontrollieren, auch was die elektronischen Spuren betrifft: Heute wird ja von Bewegungen über Meinungen bis zu Aktionen alles dokumentiert. Dort müssen wir besser werden. Alle diese Leute auf Verdacht erst mal ins Gefängnis zu stecken, kann keine Lösung sein.
Auf Verdacht ins Gefängnis, das stimmt bei diesem und auch anderen Terroristen nicht. Der Täter war bekannt - das gibt sogar Herr Schindler zu - er war auch im Gefängnis, wurde auch mal verurteilt für eine schwere staatsgefährdende Gefahr.
In diesem Zusammenhang wäre auch eine ausführlicher Sendung über Terrorgefahr in der Schweiz interessant. Aber das sucht man vergeblich, wenn man den Begriff “Terror” eingibt. Der einzige Beitrag in diesem Jahr über eine solche Straftat war ein Bericht über den Anschlag in Winterthur, wenigstens diesmal keine Verharmlosung.
Peinliche Beleidigung gegen Elon Musk
Besondres peinlich für die Schweiz ist auch der Beitrag über die Unruhen in Belfast vom 11.6. 2026
https://www.srf.ch/news/international/nordirland-erneute-ausschreitungen-in-belfast
Ein bekannter Anführer in der Szene sei ein rechtsextremer Aktivist, der in den Sozialen Medien über zwei Millionen Follower habe. «Er hat dazu aufgerufen, sich um sieben Uhr abends zu versammeln und die Sache selbst in die Hand zu nehmen.» Er wirft der Polizei und den Politikern vor, dass sie viele Ausländer nach Grossbritannien einreisen liessen und sich besser um die Ausländer kümmerten als um die eigenen Leute.
Dass Politiker sich um das eigene Volk kümmern sollen ist eine berechtigte Forderung und in keiner Weise rechtsextem. Eine solche Diffamierung gehört überhaupt nicht in einen objektiven Bericht. Und das folgende Zitat ist eine besonders peinliche Frechheit:
Explizit zu Gewalt ruft dieser Aktivist nicht auf – das übernimmt sein Megafon Elon Musk. Dieser gibt seine Posts wieder und schreibt dazu ‹Fight back›», sagt der Korrespondent.
Diesen Vorwurf gegen Elon Musk hat man wohl vom ZDF übernommen, gegen dessen Redaktion er schon eine erfolgreiche Abmahnung eingereicht hat. Sie könnten sich also auch entschuldigen oder haben Sie das etwa schon?
Corona und WHO
Sendung vom 18. Mai 2026:
Hantavirus und neue Ebola‑Welle: Die WHO wird dringender gebraucht denn je – und ist dennoch so umstritten wie selten. Ihre Jahresversammlung in Genf wird deshalb zum Krisentreffen.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, welche die diesjährige Versammlung der WHO eröffnete, bedauert die ungenügende Stabilität. Dabei erfülle die Organisation voll und ganz ihre Rolle als weltweite Koordinatorin, Warnerin und Helferin, gerade jetzt wieder angesichts des Hanta- und des Ebolavirus.
Das mag ein korrektes Zitat sein. Aber dann geht’s weiter mit Diffamierungen gegen die WHO-Kritiker.
Ganz besonders in den USA unter der jetzigen Regierung. Dazu kommt die wachsende Feindlichkeit gegenüber der Wissenschaft aus populistischen Kreisen.
Während der Coronazeit publizierte das SRF Beiträge über Impfungen, z.B. einen in dem man Impfungen für Schwangere empfahl, einen sogar über Nebenwirkungen. Aber zum Thema Impfschadenstatistik des BAG wurde kein Suchbegriff gefunden. Sie hielten es also nicht für nötig, darüber zu informieren dass es bis 2022 gut 6000 schwere Impfschäden in der Schweiz gab.
https://www.srf.ch/wissen/corona/covid-19-impfung-nebenwirkungen-nach-der-impfung-ist-das-normal
https://www.srf.ch/wissen/corona/coronavirus-mrna-impfstoffe-sind-vegan-und-elf-weitere-antworten
Zuletzt empfehle ich Ihnen noch das vor kurzem erschienene Schwarzbuch Staatsfunk. Dieses betrifft zwar das Deutsche Fernsehen, aber beim SRF gibt es ähnliche Tendenzen wie ich oben dargestellt habe. Ich denke darüber nach, ein ähnliches Buch über das Schweizer Fernsehen zu schreiben, wenn das so weiter geht.
https://schwarzbuch-staatsfunk.de/
Freundliche Grüsse
P.S. Der Internet-Lifestream des Schweizer Fernsehens kann im Ausland nicht empfangen werden.
Nicht mal das historische Viertelfinale Schweiz-Argentinien konnte man live auf SRF sehen, wenn man sich ausserhalb der Schweiz befand. Und das betrifft gerade in der Ferienzeit wohl viele Leute, die Gebühren brav bezahlt haben.
Auch das ist ein Grund, Gebührenzahlungen mindestens teilweise zu verweigern.